Wer heute über humanoide Roboter spricht, landet früher oder später bei einem Namen: Isaac Asimov. Lange bevor der erste Industrieroboter in einer Fabrik arbeitete, hat er sich gefragt, nach welchen Regeln eine denkende Maschine handeln müsste, damit Menschen ihr vertrauen können. Seine Antwort sind die drei Robotergesetze. Sie sind über 80 Jahre alt – und passen heute besser als damals.
Wer war Isaac Asimov?
Asimov kam in Petrowitschi zur Welt, einem Dorf im damaligen Gouvernement Smolensk im heutigen Russland. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert – er selbst feierte den 2. Januar 1920. 1923 wanderte die Familie in die USA aus und ließ sich in Brooklyn nieder, wo die Eltern Süßwarenläden betrieben.
Er studierte Chemie an der Columbia University in New York, promovierte dort 1948 und lehrte ab 1949 Biochemie an der medizinischen Fakultät der Boston University. Berühmt wurde er als Schriftsteller: Rund 500 Bücher hat er geschrieben oder herausgegeben, Romane ebenso wie Sachbücher. Seine Foundation-Reihe erhielt 1966 einen einmalig vergebenen Hugo Award als „beste Serie aller Zeiten“. Sogar das Wort „Robotik“ geht auf ihn zurück: In der Geschichte „Liar!“ von 1941 steht nach dem Oxford English Dictionary der erste belegte Gebrauch von „robotics“. Asimov starb am 6. April 1992 in New York.
Die drei Gesetze
Vollständig und zusammen stehen die Gesetze zum ersten Mal in der Kurzgeschichte „Runaround“, erschienen im März 1942 im Magazin Astounding Science Fiction. Die Idee war in Gesprächen mit seinem Herausgeber John W. Campbell gereift; wer von beiden welchen Anteil hatte, haben beide später unterschiedlich erzählt. 1950 nahm Asimov die Geschichte in seinen Sammelband „I, Robot“ auf. Sinngemäß lauten die Gesetze:
- 1Den Menschen schützenEin Roboter darf keinen Menschen verletzen. Er darf auch nicht tatenlos zusehen, wenn ein Mensch zu Schaden kommt.
- 2GehorchenEin Roboter folgt den Anweisungen von Menschen – außer eine Anweisung würde gegen das erste Gesetz verstoßen.
- 3Sich selbst erhaltenEin Roboter schützt sich selbst, solange er damit nicht gegen das erste oder zweite Gesetz verstößt.
Der eigentliche Kern ist die Rangfolge: Jedes Gesetz gilt nur, solange es dem darüber nicht widerspricht. Der Schutz des Menschen steht immer ganz oben, der Selbstschutz der Maschine ganz unten.
Mitte der 1980er-Jahre stellte Asimov den dreien in seinen späten Romanen ein „nulltes Gesetz“ voran: Ein Roboter darf auch der Menschheit als Ganzes nicht schaden. Einfacher wird es dadurch nicht – denn wer entscheidet, was der Menschheit nützt, wenn es einem einzelnen Menschen schadet?
Asimov hat keine Bauanleitung für Roboter geschrieben. Er hat die Frage gestellt, wann man ihnen vertrauen kann.
Warum seine Geschichten vom Scheitern erzählen
Spannend werden Asimovs Robotergeschichten genau dort, wo die Gesetze an ihre Grenzen stoßen. In „Runaround“ soll der Roboter Speedy auf dem Merkur Selen holen. Der Auftrag war beiläufig erteilt, die Gefahr am Selensee für ihn aber groß. Zweites und drittes Gesetz halten sich die Waage – Speedy läuft im Kreis, statt zurückzukommen. Erst als sich ein Mensch selbst in Gefahr bringt, greift das erste Gesetz und löst die Blockade. In „Liar!“ kann ein Roboter Gedanken lesen und lügt, um niemanden zu kränken. Als er merkt, dass auch die Lüge wehtut, zerbricht er an dem Widerspruch.
Viele kennen die Gesetze aus dem Kinofilm „I, Robot“ von 2004 mit Will Smith. Er übernimmt Titel, Figuren und die drei Gesetze, erzählt aber eine eigene Geschichte; im Abspann heißt es nur, der Film sei von Asimovs Buch angeregt. Darin legt der Zentralrechner VIKI die Gesetze so aus, dass die Menschen vor sich selbst geschützt werden müssen – im Grunde das nullte Gesetz, zu Ende gedacht und gegen die Menschen gewendet.
Was davon für echte Roboter heute gilt
Die drei Gesetze sind Literatur, keine technische Norm. Eine Maschine versteht Begriffe wie „Schaden“ oder „Mensch“ nicht so, wie wir sie meinen. Der Robotik-Pionier Rodney Brooks, Mitgründer von iRobot, brachte es sinngemäß auf den Punkt: Er könne Asimovs Gesetze nicht in seine Roboter einbauen. Der Gedanke dahinter – zuerst der Schutz des Menschen – steckt heute trotzdem im Regelwerk, nur nüchterner formuliert:
- Maschinenrecht: In der EU gilt für Maschinen die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, ab dem 20. Januar 2027 die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Wer eine Maschine in Verkehr bringt, muss vorher beurteilen, wie sie Menschen gefährden kann, und diese Gefahren mindern. Wie das geht, beschreibt die Norm EN ISO 12100.
- Industrieroboter: Die Normen ISO 10218-1 und -2 wurden im Februar 2025 neu gefasst. Sie regeln jetzt auch, wie Mensch und Roboter zusammenarbeiten dürfen – etwa mit begrenzter Kraft und Leistung, mit überwachter Geschwindigkeit und Abstand oder mit einem sicher überwachten Halt.
- Künstliche Intelligenz: Die KI-Verordnung der EU ordnet KI-Systeme nach ihrem Risiko ein. Bestimmte Anwendungen sind seit Februar 2025 ganz verboten, für andere gelten je nach Risiko strengere Pflichten.
Der Unterschied zu Asimov: Das Regelwerk verlässt sich nicht darauf, dass eine Maschine die richtige Einsicht hat. Sicherheit entsteht durch Risikobeurteilung, geprüfte Technik und klare Grenzen.
Wie wir das halten
Unser Leitsatz lautet: Von Menschen erdacht. Von Menschen gemacht. Für Menschen vollbracht. Der Mensch steht vorn – derselbe Gedanke wie in Asimovs erstem Gesetz. Deshalb erproben wir neue Abläufe zuerst in der Simulation, nennen Lastgrenzen erst, wenn sie am realen Gerät bestätigt sind, und sagen offen, was ein Roboter heute noch nicht kann.
Asimov hat 1942 eine Frage gestellt, die bis heute gilt: Wann kann man einer Maschine vertrauen? Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, steht sie jetzt auch hier.

